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AUS ALLER WELT
Wityń in Polen - Winnica Lukasz
Erinnerung an 200-jährige Palasttradition

Sohn Michal Pietrasik empfängt. Der Hausherr Leszka Pietrasik weilt mit seiner Gattin Elzbiety zum Skifahren in der Schweiz. Bevor Michal ins Haus bittet, erläutert er die Inschrift neben der Haustür.



Stammsitz einer Familiendynastie

Zur Erinnerung an künftige Generationen, heißt es sinngemäß, wurde durch die Bemühungen von Elzbiety und Leszka Pietrasik diese 1812 als Denkmal eingetragene Palastanlage zurückgewonnen. "Wityń 2012" besiegelt diese Erinnerung an eine 200-jährige Schlosstradition. Wer diese Inschrift liest, steht nicht vor einer pompösen Villa, er steht vor dem Stammsitz einer Familiendynastie. Die passenden Bilder dazu hängen an der Stirnwand im Salon.

Ja, sein Vater, seit seiner Geburt im benachbarten Kupienino zuhause, hat die Ländereien des ehemaligen Kombinats 2001 gekauft, für die sich nach der politischen Wende keiner mehr interessiert habe. Die verwildert gewesen seien nach 15 Jahren, das alte Gutshaus und die anderen Gebäude baufällig und zugewuchert, von der Straße aus gar nicht mehr zu sehen. Meterhohes Gestrüpp habe gerodet werden müssen, wo jetzt das neu errichtete Gutshaus neben dem alten steht, das momentan saniert werde. Ja, der Betrieb laufe gut, Teile der Ernte würden bis nach Hamburg geliefert. Die Dorfbewohner kenne er, auch die Violinistin, die in einem Berliner Orchester musiziere, sagt der 35-Jährige, der keine Anstalten macht, den Reichtum seiner Familie zu verstecken. Der auch der 84-jährigen Oma Maria sichtlich gefällt.

Verstecken ließe sich die Weite des Besitzes nicht einmal vor einem Blinden. 17 Kilometer liegen zwischen dem neu errichteten Gutshaus und der Grundstücksgrenze, erzählt Michal stolz. Angebaut werden hauptsächlich Raps, Mais, Weizen und Zuckerrohr. Drei eigene Lebensmittelgeschäfte gehören zum Betrieb, 60 bis 70 Arbeiter werden beschäftigt, die mit etwa 20 Traktoren das Land bewirtschaften.

Kartoffelfelder und Geflügelfarm

Und Pläne, den Betrieb zu erweitern, habe er reichlich, sagt der studierte Agronom. Mit seinem Bruder und seiner jüngsten Schwester stehe er damit voll im Einklang mit seinem 61-jährigen Vater, der den Betrieb noch leite. So werde daran gedacht, zusätzlich Kartoffeln anzubauen und eine Geflügelfarm aufzuziehen. Auch der Weinberg sei ausbaufähig und werde hektarweise jedes Jahr erweitert. Fast abgeschlossen ist die Restaurierung eines ehemaligen Pferdestalls mit Säulen und Rundbogendecke aus Ziegelsteinen. Wie er später genutzt werden soll, sei noch nicht entschieden.

Bei aller Arbeit und Verantwortung, der Weinberg habe es seinem Vater und ihm besonders angetan, sagt Michal und reicht ein erstes Glas zum Probieren. Eine Liebhaberei von Erfolgsverwöhnten? Die Erträge und die damit erzielten Einnahmen spielen offenbar (noch) keine Rolle. Flossen im ersten Jahr ganze 100 Liter durch die Abfüllanlage, goren 2015 schon 1 000 Liter in den Edelstahltanks aus. Wieviel der Jahrgang 2016 ergeben wird, kann Michal im März 2017 noch nicht sagen. Angestrebt werde eine Produktion von 7 000 bis 8 000 Litern im Jahr.

Naturbelassenheit hat oberste Priorität

Bis ins 14. Jahrhundert reiche der Weinanbau an den Hügeln rund um Wityń zurück. Auf der Winnica Lukasz gedeihen vornehmlich die Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir, Regent und Riesling. Naturbelassenheit habe oberste Priorität bei der Herstellung, sagt Michal. Jede Traube werde von den Erntehelfern handverlesen. Die selbst bei Biowein zulässigen Schwefelzusätze würden auf ein Zehntel reduziert.

Während die übrige Ernte größtenteils landesweit, aber auch ins benachbarte Ausland verkauft werde, werde der Wein auf regionalen Märkten und Weinfesten vermarktet oder an ausgewählte Restaurants geliefert. Die Sorgfalt bei der Herstellung habe natürlich ihren Preis. So kostet eine Flasche im Restaurant umgerechnet schon mal - nicht nur für Polen - fürstliche 45 Euro.

Mit klapprigem Golf Caddy zum Weinberg

Nutzt die Familie ihre wirtschaftliche Macht auch, um politisch Einfluss zu nehmen? Seine Mutter (60) habe sich vier Jahre als Stadträtin in Świebodzin engagiert, sagt Michal. Er selbst mache sich wenig aus Status oder Geld. Er genieße die Vorteile der "good conditions", die ihm ein finanziell sorgenfreies Leben ermöglichten. Ansonsten zählten für ihn eher immaterielle Güter. "I want to be happy", sagt er und startet einen etwas klapprigen Golf Caddy für eine kleine Rundfahrt durch die Weinparzellen.

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