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ENGAGEMENT UND KREATIVITÄT (alle Beiträge) - mit PINBOX
Einzelhandel
In der „Füllbar” lacht die Umwelt mit

Einen Lebensstil ohne Verpackung anregen und neue Arbeitsweisen erproben, mit diesen Vorsätzen starten vier Studentinnen der Universität Witten/Herdecke ein alternatives Ladenprojekt im Wiesenviertel. Ihr Konzept: Jeder kann mitmachen.



Eingang zur geplanten "Füllbar": Kreative Hausgemeinschaft - Foto: wab

J. Zylla, L. Schauerbeck, A. L. Hahn und L. Keller (v. li.): "partizipativer Managementstil" - Foto: wab

Tante Emma-Laden mit Zukunft
Von Walter Budziak

Mehl, Reis und Nudeln sollen angeboten werden, Nüsse und Gewürze, aber auch Waschpulver und Kosmetika, nur alles nicht kilo- oder grammweise verpackt, sondern lose, offen eben. Das ermöglicht Einkaufen nach individuellen Bedürfnissen in kleinen Mengen, vermeidet damit einen Überkonsum an Lebensmitteln, die später vielleicht weggeworfen werden müssen, spart Verpackung und schont so die Umwelt.

Vier Studentinnen der Universität Witten/Herdecke gehören zu den Initiatoren. Für einen "verpackungsfreien Lebensstil" möchte sie sich einsetzen, sagt Jenny Zylla (24) aus Gevelsberg. Sie studiert Psychologie, sie möchte neben ihrem Masterstudium einen "praktischen Beitrag" leisten, möglichst viel Verpackungsmüll in der Welt zu vermeiden. Anna Lena Hahn (23) aus Recklinghausen, Lisa Schauerbeck (23) aus Heilbronn und Lisa Keller (22) aus Jüchen bei Neuss steuern aus denselben Gründen einen Großteil ihrer Freizeit bei.

Ihrer Vision in Witten auf die Sprünge zu helfen begründen die Studentinnen mit der allgemeinen Aufbruchstimmung, die sie wahrnehmen und schätzen. Die Nähe zu Vorreitern wie der Ideenschmiede "Stellwerk" und dessen Ablegern "Tummelmarkt" oder "Schwarzmarkt" wird in der Steinstraße 15 auch räumlich in einer kreativen Hausgemeinschaft sichtbar, zu der auch der "Arbeitsraum" der Universität Witten/Herdecke und das Architekturbüro Golden Sun Society gehören. Sie sehen ihre "Füllbar" auch als ein weiteres "Stadtteilprojekt und Spiegelbild unserer Generation", die gestalten wolle und sich von Überzeugungen leiten lasse, betont Jenny Zylla. Der modernen Variante des guten alten Tante Emma-Ladens könnte die Zukunft gehören.

"Keine Lust auf alte Strukturen"

Vor einem Jahr entstand aus der Idee ein konkreter Plan. Viele Fragen sind seither geklärt, ein Verein "Füllbar Witten e.V." gegründet, über Spendenaufrufe und einen Infostand auf dem Herbst-Tummelmarkt notwendige Startgelder eingeworben, ein Raum nebst Lager angemietet, behördliche Genehmigungen eingeholt, ein Grundsortiment festgelegt, Lieferanten eingebunden. Bis sie ihren "Unverpackt-Laden" vielleicht im Febuar 2017 eröffnen können, müssen trotzdem noch einige Wände gestrichen, Regale aufgebaut, Mitglieder geworben werden.

Mitglieder, die auch mitmachen, sind tragende Säulen des Konzepts. Sie beabsichtigten nicht, "gleich am ersten Tag mit einem perfekt eingerichteten Laden loszulegen", sagt Lisa Keller. Flexibilität habe einen hohen Stellenwert. So offen, wie ihre Waren angeboten und gekauft werden sollen, so offen sei auch das gesamte Projekt für Mitsprache, Mitgestaltung und Mitverantwortlichkeit. Nur so bekämen sie schnell und fundiert die Resonanz, die erforderlich sei, um das Projekt weiterentwickeln zu können.

So sehen sich die Studentinnen auch nicht als alles bestimmende Betreiberinnen ihrer "Füllbar". Sie wollen ein nachhaltiges Projekt anstoßen, das "personenungebunden" geführt und ausgebaut werden kann. "Wir haben keine Lust auf die alten Strukturen", sagt Anna Lena Hahn und meint damit die traditionellen Geschäftsmodelle mit einem Chef und mehr oder weniger abhängigen Angestellten. Sie sehen ihr Projekt als Rahmen für soziale und kommunikative Experimente und setzen auf einen "partizipativen Managementstil", so Anna Lena Hahn weiter.

Mitgliedschaft beitragsfrei

Dazu passen auch ihre Pläne, die "Füllbar" als Treffpunkt zu etablieren, wo kreative Netzwerke entstehen, wo Workshops zu nachhaltigem Konsum und umweltschonendem Verbrauch stattfinden. Ob Schüler oder Senioren, alle Umweltbewussten sollen sich in der "Füllbar" informieren oder beraten lassen können. Spätestens hier fließt auch das universitäre Fachwissen der vier Studentinnen mit ein. Psychologie, Philosophie, Politik, Wirtschaftswissenschaften und Kulturreflexion bieten barrierefreie theoretische Grundlagen.

Der organisatorische Kern besteht aus einer weiteren Kommilitonin, die derzeit aber ein Praktikum in Berlin absolviert, und einem Polizeibeamten, dem einzigen Mann im Team. Fördergelder zu beantragen, weitere Spenden zu sammeln und Mitglieder zu werben bindet bis zur Eröffnung neben vielen handwerklichen und konzeptionellen Baustellen die meisten zeitlichen und gedanklichen Kräfte.

Aktuelle Informationen werden ständig auf der Vereinsseite veröffentlicht. Eine Mitgliedschaft sei beitragsfrei. Auch damit wollen die "Füllbar"-Aktivistinnen gängige Gepflogenheiten aufbrechen.

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