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AUS DEN STADTTEILEN (alle Beiträge)
Fahrtziel Bommern
Mit dem Fahrrad kein Weg für Feiglinge

In dem Stadtteil südlich der Ruhr können auch Radfahrer wohnen. Nur sollten sie nicht mit ihrem Fahrrad in die Innenstadt fahren. Und schon gar nicht zurück. Die Strecken, die in Frage kommen, sind nichts für Feiglinge. Eine Wegbeschreibung - auch in Bildern.



Abgefahren und ausgebremst
Von Walter Budziak

Drei Unterführungen stehen im Weg und zwei Brücken, die Gefahrenstrecken liegen davor und dahinter. Verkehrsplanerisch nicht gesehen, nicht gekonnt, hingenommen oder gewollt.

Nicht Tour-de-France-gestählten Profis bleiben realistischerweise zwei Strecken, um mit dem Rad aus der Innenstadt zum Bodenborn in Bommern zu fahren: eine Hauptstrecke entlang der Ruhrstraße über die Ruhrbrücke und eine Nebenstrecke über die Herbeder Straße, den Kreisverkehr Sprockhöveler Straße nach links zum Kreisverkehr Ruhrdeich, von dort den Ruhrdeich entlang zur Ruhrbrücke, erst vor zwei Jahren mit der Ruhrdeichsanierung frisch erstellt. Und seit geraumer Zeit voll gesperrt. Eine Umleitung ist eingerichtet, würde der Verkehrsfunk mitteilen.

Über Heven und Herbede via Lakebrücke könnte man auch noch radeln, theoretisch und nur in den Monaten, in denen die Fähre am Zollhaus fährt. Sonst wird die Strecke über Vormholz hochgebirgig. Aber auch an der Ruhr entlang gliche diese Route einer Fahrt von Dortmund nach Bochum über Köln. So wie die weiteren Alternativen über die Ardeystraße, den Kohlensiepen runter zur Wetterstraße oder gleich über Wetter.

Brutale Übermacht der Blechlawinen

Der statistische Durchschnittsbommeraner fährt, wenn er fährt, die Hauptstrecke. Und kommt spätestens zwischen Haus Witten und dem Stadtpark ins Schwitzen. Besonders nachmittags. Bergab. Auch im Winter. Der gekennzeichnete Radweg ist Kampfzone zwischen Straße und Gehweg. Brutale Übermacht der Blechlawinen. Keine Chance einer Gegenwehr. Kommen keine Fußgänger entgegen, rettet nur ein Ausweichen über die Bordsteinkante auf den Gehweg, will man die Strecke schneller als ein Fußgänger hinter sich bringen.

Umfahren lässt sich diese Schikane durch die Unterführung am Saalbau über die Gasstraße. Nur ist hier schon vor der Unterführung Schluss mit Radweg. Der schickt seine Nutzer, wie nach der Unterführung am Stadtpark, auf die Straße, nur noch riskanter: auf eine schmale Fahrbahn zwischen geparkten Fahrzeugen und fließendem Verkehr auf beiden Seiten.

Beschilderung vorschriftswidrig: Vorschriften nicht annähernd berücksichtigt

Der eigentliche Härtetest, den Radfahrer aus der Innenstadt nach Bommern draufhaben sollten, wartet bei beiden Varianten: nach einer radwegfreien Zwischenstrecke ein teilweise weniger als ein Meter breiter gemeinsamer Geh- und Radweg, gespickt mit rückseitigen Schildern in Standfüßen, einer Bushaltestelle und einer hüfthohen Mauer rechts sowie einer brachial hohen Bordsteinkante links mit Zentimeterabstand zu überbreiten Schwerlastern, überlangen Gelenklinienbussen, vollgasgebenden Möchtegernferraris, die noch bei Gelb über die Ampel an der Ruhrdeichkreuzung rasen wollen.

Der gemeinsame Geh- und Radweg ist schilderamtlich geregelt. Allerdings vorschriftswidrig. Laut Allgemeiner Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) wäre innerorts eine Mindestbreite von 2,5 Metern erforderlich, außerorts müsste diese Passage immerhin noch mindestens 2 Meter breit sein. Vorschriften, die hier nicht annähernd berücksichtigt werden. An der meistbefahrenen innerstädtischen Verkehrsachse.

Kein Hinderungsgrund, sich als anziehende, aufstrebende "Universitätsstadt an der Ruhr" zu feiern. Von Sonja Leidemann bürgermeisterlich in Szene gestrahlt. "Witten führt jetzt die Universität im Schilde" [☞]
Quelle: WAZ 
(WAZ, 4.11.2016). Das neue Schild steht allerdings auf der anderen Straßenseite. Und ist nur aus der Gegenrichtung lesbar.

Augen zu und weiter

Wer sich die Stress-Strecke an der Ruhrstraße ersparen möchte, wählt die im Alltagsablauf einzig fahrbare Nebenstrecke. Die ist nicht nur wegen einer zusätzlichen Umleitung deutlich länger, sie birgt auch ebenso viele und ebenso bedrohliche Gefahren. Selbst Unverdrossenen bietet auch diese Route reichlich Gelegenheiten, an einem ernsthaften Bekenntnis zu einem fahrradfreundlichen Mobilitätskonzept zu zweifeln.

Der Nervenkitzel erigiert noch vor der Bahnunterführung Herbeder Straße. Zwischen fünf Verkehrsschildern nebst Fußgängerampel macht ein Zusatzschild den Gehweg "Fahrräder frei" für den Sprint gegen die mobiltechnisch langsamere Fortbewegungsklasse. Entkoppelt wird dieser Kombiparcours erst an der übernächsten Einmündung der Hans-Böckler-Straße. Ohne jeglichen Hinweis. Selbst ist der Radfahrer. Einfach irgendwie geradeaus. Augen zu und weiter.

Halbkreis gegen den Strom

Bis er dann kurz vor dem Kreisverkehr an der Sprockhöveler Straße wieder in eine entsprechend markierte Wegweisung eingefädelt wird. Der Kreisregel folgend, landet er dann am Ruhrdeich in der nächsten Radwegfalle. Wieder ein Kreisverkehr, aber hier nur der motorisierte Straßenverkehr rechts, Radverkehr links. Mutmaßlich. Das kleinere Vorfahrt-achten-Schild lässt offen, ob ein Radfahrer die Fahrbahn queren oder sich nach rechts in den Kreisverkehr einfädeln soll. Verkehrsteilnehmerklassenübergreifende Verständigung. Wer zuerst kommt, fährt zuletzt.

Nach einem Halbkreis gegen den Strom einschließlich Radgegenverkehr, wieder ohne Hinweis, endet der dann mögliche Ruhrdeichradweg knüppelsofort an erwähnter Vollsperrung mit Umleitung über die Nachtigallbrücke zur Nachtigallstraße an der Grenze zur Muttentalstraße. Vom Bodenborn noch Kilometer entfernt.

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