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STADTLEBEN UND STADTGESELLSCHAFT
Ossietzkyplatz feiert neue Nachbarschaftskultur
"Trotz"-Sommerfest bereichert

Ein Jahr lagerte sie in einem Abstellraum der Wittener Werkstatt, die Einrichtung des soziokulturellen Zentrums "Trotz Allem". Jetzt organisiert die alternative Wittener Kulturinstanz wieder ihren eigenen Treffpunkt. Vor allem die auch wissenschaftlich bekannte Gustav-Landauer-Bibliothek Witten wird im Herbst am neuen Standort in der Wideystraße 44 wieder allgemein zugänglich.



Neue Vorsitzende führen Verein "in die Volljährigkeit"
Text und Fotos (10) Walter Budziak, 26.8.2017

Länger als ein Jahr haben die Aktiven gesucht, um eine neue Bleibe für ihren Verein zu finden. Die Hoffnungen auf 200 Quadratmeter große Räumlichkeiten ließen sich nicht erfüllen, andere Vorgaben, wie etwa eine möglichst zentrale Lage, passen aber.

Besonders auch das nachbarschaftliche Umfeld am Ossietzkyplatz. Bei Sommerwetter nutzten viele Anwohner die Gelegenheit, sich zu treffen, sich auszutauschen, ein Quartiergefühl zu entwickeln oder zu pflegen. Oder einfach nur den Bands auf der Bühne zuzuhören, vielleicht zu tanzen, wo sonst Autos fahren oder einen Teil des Platzes zuparken.

Nudelsalat mit getrockneten Tomaten und Parmesan wurde angeboten, an einem anderen Stand machten Süßkartoffelpommes Appetit auf mehr, Tofuspezialitäten stillten auch den veganen Hunger. Viele ältere Nachbarn suchten sich einen Platz an einem der langen Biergartentische, die jüngeren standen in Gruppen zusammen, diskutierten das kulturelle Leben in der Stadt und die Möglichkeiten, weitere Nachbarschaftsprojekte zu realisieren.

Kleines Open-Air-Rockfestival

Drei Bands verwandelten den Ossietzkyplatz in ein kleines Open-Air-Rockfestival, "Die Psychose" und "C 2" aus Witten und "Elice Dee" aus Herne. Gegen Gage in Naturalien, versichert Manuel Trömel, einer der Vorsitzenden des Kulturvereins. Bühne und Soundtechnik konnten nach bester "Trotz"-Tradition ebenfalls eurolos ausgeliehen werden. Von den Veranstaltern bezahlt werden mussten jedoch die notwendigen Straßenabsperrungen. Die das "Trotz" aber nicht alleine zu stemmen brauchte.

Mit nachbarschaftlichem Engagement haben die Kioskbetreiber Zeynep (37) und Özcan Özsoy (44) "sofort mitgemacht", wie sie sagen. Sie stellten einen Verkaufstisch, die selbstgemachten Salate und die mit türkischer Wurst belegten Brötchen, sie tragen aber auch die Kosten mit, wenn welche übrigbleiben. Was bei Preisen von einem Euro für einen Teller Nudelsalat selbst bei großem Andrang denkbar wäre.

Kulinarische und gesellige Bereicherung

Dem der italienische Nudelsalat auch nur bis zum frühen Abend standhielt. Auch Hannelore Wachs (70) freute sich über diese kulinarische und gesellige Bereicherung in ihrer Nachbarschaft. Sie wohnt "gleich um die Ecke" in der Galenstraße und nimmt auch gleich einen Teller Salat mit nach Hause. "So etwas sollte hier öfter stattfinden", lacht sie.

Auf "Trotz"-Seite etwas weniger verantwortlich in die Vorbereitungen eingebunden ist Lasse Wichert (37). Er hat sich beruflich verändert und den Vereinsvorsitz schon im vergangenen Herbst nach zehn Jahren abgegeben. Die Wittener Malte Steinmann (25, Erzieher), Manuel Trömel (26, Student) und Paul Humbert (26, Sozialarbeiter) führen den seit je her basisdemokratisch aufrechterhaltenen Verein in diesem Jahr "in die Volljährigkeit", wie sie scherzend anmerken. Ihren neuen Vereinssitz sehen sie als ansprechenden Raum, "an dem man zusammenkommen kann", auch um mal eine Kickerpause einzulegen, sagt Humbert.

"Kontakt mit der linken Bewegung"

Größere Auftritte wie in den Vereinsräumen an der Augustastraße, die sie aufgeben mussten, ließen sich am Ossietzkyplatz nicht mehr veranstalten. Musikabende, Vorträge, Diskussionen könnten in dem kleinen Ladenlokal mit dem großen Schaufenster vielleicht sogar besser funktionieren. "Hier kommen wir besser an die Leute ran", sagt Humbert und "halten leichter Kontakt mit der linken Bewegung", ergänzt der Vorstandskollege Steinmann immer noch ein Hauptanliegen des "Trotz". Vor diesem Hintergrund bildeten auch Vorträge zur "modernen Arbeit" einen der nächsten Themenschwerpunkte.

Begeistert von den "Toten Hosen", vom Punk allgemein, kamen die neuen Vereinsspitzen schon als Jugendliche zum "Trotz". Die Gustav-Landauer-Bibliothek Witten, eine in der Region einzigartige Sammlung mit Schriften des "links-alternativen Spektrums" aus Themenbereichen wie Antifaschismus, Friedens- oder Genderpolitik demnächst wieder zu eröffnen zählt zu ihren Verdiensten, wenn man Besucher des "Trotz"-Sommerfestes fragt. Seitens der Stadt werde das Archivieren zeitgenössischer Druckwerke nämlich weitgehend vernachlässigt.

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