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ZWISCHEN ARBEITSPLATZ UND WIRTSCHAFTSSTANDORT
Abfallwirtschaft
Wittener Wohnstraßenbilder

Text und Fotos (10): Walter Budziak, 6.6.2018

"Ein Container muss für 500 Menschen im Umkreis fußläufig erreichbar sein", beantwortet die Stadt eine Anfrage nach den Kriterien, nach denen Standorte für Altglas-, Papier und sonstige "Wertstoffsammler" ausgewählt werden. Nach dieser "recht einfachen Berechnung", so das Presseamt, sei daher "die Dichte im unteren Bommern (...) nicht ungewöhnlich, weil dort natürlich durch die Hochhäuser eine entsprechende Anzahl an Menschen (Containernutzende) zustande kommt". Wie die Container aufgestellt werden, ist dann noch einmal ein ganz anderes Thema.

An vier Standorten zerfressen die mannshohen grauen Stahlklötze der AHE, ein Zusammenschluss der Aktiengesellschaft für Versorgungs-Unternehmen, AVU, in Gevelsberg und dem Entsorgungsunternehmen Gerhard Heintke in Hattingen, das Bild der Handvoll Straßen zwischen Nachtigallstraße / Kastanienallee und Bodenborn auf Höhe des Bundesverlags. Von Hochhäusern kann in diesem Bereich Bommerns keine Rede sein. Die stehen entsorgungsfußläufig weit weg am Bommerfelder Ring.

Gründlich durchgreifen in Sachen Nachhaltigkeit und Abfalltrennung

Gleich am Tor zur Siedlung "Familienheim" an der Nachtigallstraße mit der Albertstraße als Hauptschlagader machen die AHE-Kolosse Bewohnern wie Besuchern klar: Hier herrscht ordentliche Abfallwirtschaft. Was hier früher zählte, Siedlungskultur, straßenbildliche Nachbarschaftshilfe und Gartenpflege, Kompostieren, Einkochen, Gelieren, Holundersaft in verwahrten Bierflaschen, vielleicht alles ganz nett. Gewesen. Aber doch nichts im Vergleich zu dem, wie die AHE jetzt mit ihren Containern gründlich durchgreift in Sachen Nachhaltigkeit und Abfalltrennung.

Keine 300 Meter liegen zwischen dem Container-Standort an der Nachtigallstraße und der Sundernstraße, trotzdem sticht schon auf der anderen Straßenseite am Friesenplatz das Tor zur nächsten Recycling-Area ins Anwohnerauge. Mit noch hässlicheren Folgen. Die Balkone der gegenüberliegenden Häuser Friesenstraße 1 - 3 wurden zur Straßenseite hin angebracht, entspannende Sommerabende am ansonsten parkähnlichen Platz mit uraltem Kastanien- und Buchenbestand dürfte, ohne die stählernen Containerhaufen auszublenden, kaum gelingen.

Pakete mit Gerümpel und gebrauchten Windeln

Wer seine Dressur zur getrennten Abgabe wiederverwertbaren Abfalls trotzdem vernachlässigen oder gar vergessen sollte, wird keine 150 Meter weiter aufwärts an der Ecke Friesenstraße / Auf der Bommerbank neben der Zufahrt zum Bommeraner Tennisclub schrill in die Welt der "Abfall- und Kreislaufwirtschaft" (AHE) zurückgeholt. "Bis vor wenigen Jahren standen hier auch noch zwei Altglas-Container", sagt Klaus Szymanski (78). Seit drei Jahrzehnten wohnt er Auf der Bommerbank direkt gegenüber und konnte das Geschepper der Flaschen kaum noch ertragen. Heute schlucken hier nur noch Behälter für Altpapier, Kleidung und Schuhe, was die Konsumgesellschaft hinter sich lässt, Pakete mit Gerümpel und gebrauchten Windeln liegen aber weiter auf der Straße herum, ärgert sich Klaus Szymanski.

Selbst wenn dergleichen unterbleibt, allein wie die klotzigen Stahlwürfel bisweilen aufgestellt werden, erschüttert jegliches Verständnis für behördlichen Irrsinn. Zu beobachten keine 200 Meter weiter zum unteren Ende der Rauendahlstraße bis zum Bodenborn oberhalb der HEM-Tankstelle. Fast die gesamte Gehwegbreite blockiert der Altpapierschlucker, der neben die vier anderen Stahlkästen stumpf quer hingeknallt wurde. Stünde auf dem kleingepflasterten Standstreifen das Auto eines Kunden der gegenüberliegenden Sparkassenfiliale, was nicht selten vorkommt, bliebe der jungen Frau mit ihrer Umhängetasche nur ein Spalt, durch den sie sich seitlich zwängen müsste.

Direkt im öffentlichen Verkehrsweg stehen die Reststoff-Container am Friesenplatz nicht, aber sie böten weit weniger verschandelnde Anblickfläche, wenn sie wenigstens anwohnerfreundlicher aufgestellt würden. An der Westseite des Platzes entlang der Sundernstraße stünden sie nicht mehr frontal zu einer gegenüberliegenden Wohnbebauung, Bewohner der umliegenden Häuser könnten seitlich an ihnen vorbeischauen.

AHE: "Große Verantwortung für die (...) Bürger in unserer Region"

Rechnet man den äußeren Recycling-Standorten Nachtigallstraße / Albertstraße und Bodenborn die angrenzenden Wohngebiete teilweise hinzu, bleiben für ein Wohngebiet von der vielleicht zehnfachen Größe des Bommeraner Tennisplatzgeländes exklusiv zwei AHE-Stützpunkte, einer ohne Altglasabnahme, der andere mit Vollbestückung. Im Bereich der gesamten vergleichbaren Wohnbebauung zwischen Kastanienallee / Nachtigallstraße bis hoch zur Frielinghauser Straße wurde nicht eine einzige weitere Container-Station postiert.

Mögen die vornehmlich Ein- und Zweifamilienhäuser auch noch einen Eindruck vermitteln von Gemüsebeet und Pfaumenmus in den paar Wohnstraßen zwischen Kastanienallee und Bodenborn, wenn die Container-Posten der AHE nicht eisern für umweltgerecht getrennte Flaschen und Pappkartons sorgte, würde das Viertel unter Abfallbergen versinken, so die unübersehbare Botschaft des Entsorgungsunternehmens. Man trage schließlich, so die AHE auf ihrer Internetseite, "eine große Verantwortung für die (...) Bürger in unserer Region". Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, entwickele sich das Unternehmen weiter, was sich auch an den Unternehmenszahlen ablesen lasse.

Frage nach Stadtplan mit Markierungen aller Container-Standplätze

Zu denen die Stadt mit der Auswahl der Standorte sicherlich beiträgt. Zwischen Stadt und Privatunternehmen wurde geregelt, "dass die Stadt für die Standplätze zuständig ist, aber die AHE für die Leerung und die Reinigung", wie das Presseamt weiter mitteilt. Ob dabei die "recht einfache" 500-Menschen-Umkreis-Berechnung immer eingehalten wird, darf bezweifelt werden. Betriebswirtschaftliche Aspekte wie Erreichbarkeit, Anfahrtszeiten, Abholkosten insgesamt könnten eine ebenso große Rolle spielen. Oder auch der Einfluss einzelner Bewohnerkreise, bestimmte Wohnbereiche von Belästigung und Verschandelung durch Glas, Papier, Kleider- und Schuhcontainer zu verschonen. Die Frage nach einem Stadtplan mit Markierungen aller Container-Standplätze wurde auch noch beantwortet: Es gibt keinen.


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