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ZWISCHEN ARBEITSPLATZ UND WIRTSCHAFTSSTANDORT
Serie "Elektromobilität in Witten" [?]Elektromobilität in Witten 1 Mio. Elektro-Pkw sollen bis 2020 auf deutschen Straßen fahren. Diesem steilen Vorsatz konnten die Neuwagenkäufer bislang nicht viel abgewinnen. Seit Mai 2016 ködert die Bundespolitik mit einer Umweltprämie. Aus der tröpfelnden Nachfrage soll ein Kaufrausch werden. Anlass genug, bei den Wittener Autohändlern nachzufragen, wie der Verkauf läuft und wie sie die Prognosen einschätzen. Und in der Stadt nach Vorboten einer elektromobilen Zukunft zu suchen., Teil 2: Auto-Zentrum Bernhard Ernst
E-Fahren „ein kostspieliges Thema“

Von Walter Budziak, 23.1.2017

Mit 1 051 strombetriebenen BMW i3 stand die blauweiße Marke 2015 in der fünften Reihe von 12 363 in Deutschland neu zugelassenen Elektrofahrzeugen. Im selben Zeitraum wurden insgesamt 3,2 Mio. Pkw neu auf die Straße gelassen [?]QuelleKraftfahrtbundesamt (KBA). Laut Werbung ist der Hersteller trotzdem "elektrisiert". Wer in Witten einen Strom-BMW kaufen möchte, muss seine Probefahrt aber in Bochum starten.

Den Spitzenplatz konnte die Marke durch die Umweltprämie noch ausbauen. Mit 2 592 Anträgen liegen BMW-Modelle deutlich vor Renault (1 658) und Audi (1 188) [?]QuelleBundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Stand: 1. Januar 2017. Aus Witten kamen offenbar die wenigsten.

„Eine Hand voll“ habe er seit Mai 2016 verkaufen können, will sich Christof Gellermann, Verkaufsleiter Neue Automobile beim Auto-Zentrum Bernhard Ernst, auf keine konkrete Zahl festlegen. Mehr lasse die organisatorische Struktur auch nicht erwarten.

So sei das blau-weiße Autohaus am Crengeldanz kein BMW i-Agent, erläutert Gellermann und bezieht sich damit auf das meistverkaufte E-Modell der Marke, den BMW i3. BMW i-Agenten gebe es deutschlandweit nur an etwa 70 Standorten, der nächstgelegene liege in Bochum. Bewerben könne sich ein BMW-Händler um dieses Zertifikat nicht. Die Konzernzentrale in München bestimme die Verteilung.

Hybridvarianten im Trend

So laufen Neuwagenkäufer, die sich für ein E-Modell aus dem BMW-Programm interessieren, in Witten ins Leere. Sie finden keinen Vorführwagen, mit dem sie sich mit der Technik und den Fahreigenschaften vertraut machen könnten, noch können sie damit rechnen, ihren elektrischen BMW in Witten gewartet oder repariert zu bekommen.

Besorgt wirkt Gellermann angesichts dieser Verhältnisse aber nicht. Einerseits würden weiterhin die klassischen benzin- und dieselangetriebenen Fahrzeuge nachgefragt, andererseits gehe der Trend, wenn alternative Techniken gewünscht würden, doch eher zu den Hybridvarianten. Die 3er- und 5er-Modelle stünden auch da gut im Wettbewerb. Außerdem sei die Ausstattung der Werkstätten für Wartung und Reparatur der reinen Elektrofahrzeuge sowie die Qualifizierung der Mechaniker „sehr aufwändig“, sagt Gellermann. „Wir reden da von richtiger Starkstromtechnik.“

Bei Diesel wird "genauer nachgefragt"

Die im übrigen auch noch nicht ausgereift sei, gibt Gellermann zu bedenken. Das sähen Kunden ähnlich. Manche äußerten sich zurückhaltend gegenüber der mobilen E-Technologie und der dazugehörigen Infrastruktur. Die meisten hätten sich damit noch nicht auseinandergesetzt. Er glaube auch nicht, dass es erwartbar und sinnvoll sei, nachdem Jahrzehnte lang die Fortschritte bei der Umweltverträglichkeit von Verbrennungsmotoren angepriesen wurden, „von jetzt auf gleich den Schalter auf Elektromobilität umzulegen“, sagt der Verkaufsleiter.

Stehen also weiterhin die wegen ihrer umweltbelastenden Abgase oft verpönten Spritschlucker obenan auf den Einkaufslisten? In der Regel ja, sagt Gellermann, „aber bei Diesel fragen die Leute schon genauer nach“. Und wenn über alternative, weniger umweltbelastende Antriebe nachgedacht werde, stünden eher die Hybridmodelle im Fokus. „Die Nachfrage zieht an“, so Gellermann.

Bei Elektrofahrzeugen "gewisse Vorreiterrolle"

Offenbar positioniert sich das Wittener BMW-Autohaus gegenüber der E-Technologie noch abwartender als die Händler der anderen Marken. Kritiker könnten darin auch eine gewisse Unentschlossenheit feststellen. Einerseits baut BMW Bernhard Ernst noch auf das prestigeträchtige Image der spritbetankten blau-weißen Flotte, andererseits könnte die BMW-Niederlassung mit dem i3 auch in die nach weitläufiger Meinung umweltfreundliche Offensive gehen. Schließlich stehe mit dem elektrischen Viersitzer ein „echter Technologieträger“ zur Verfügung. Anders als die E-Modelle anderer Marken sei der i3 von Grund auf als Elektrofahrzeug konstruiert und spiele somit eine „gewisse Vorreiterrolle“, betont Gellermann nicht ohne Stolz.

BMW-Stromer als Zweitwagen und "zehn Kilometer am Tag"

So wird sich BMW Bernhard Ernst bei der Elektromobilität öffentlich vorerst weiter bedeckt halten, ohne das Thema aus den Augen zu verlieren. Schon im Februar wird ein Elektro-BMW, wie bei Autohäusern anderer Marken auch, als Ersatzfahrzeug für Kunden bereitgestellt. Und eine „Elektrotankstelle“ im Hof sei ebenfalls schon fest eingeplant, so Gellermann. Abweichend von der Zurückhaltung bei öffentlichen Werbemaßnahmen komme in Verkaufsgesprächen die Rede gelegentlich durchaus auf einen BMW-Stromer, sagt Gellermann, wenn es um einen Zweitwagen gehe, „der zehn Kilometer am Tag gefahren werden soll“.

Mit 36 150 Euro steht ein BMW i3 in den Preislisten. E-Fahren bleibt, auch wenn man bei 35 Kilometer Fahrstrecke pro Tag innerhalb der nächsten fünf Jahre 8 125,59 Euro gegenüber einem benzinverbrauchenden Pkw einspart, wie es der Hersteller auf seiner Internetseite vorrechnet, derzeit dennoch auch „ein kostspieliges Thema“, räumt Gellermann ein.


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