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Video/Montage: wab


Lars König (CDU): erster Arbeitstag als neuer Bürgermeister
Historischer Amtswechsel allein reicht nicht

Kommentar von Walter Budziak, 3.11.2020

Nach dem sensationellen und dazu noch unglaublich hohen Gewinn der Stichwahl um das Bürgermeisteramt im September nimmt Lars König heute seine Amtsgeschäfte auf. Damit erweist sich die Prognose in dem nachstehend wiederholten Kommentar des Autors vom 5. Januar als Irrtum. Alles sonstig Dargelegte hat Bestand. Möglicherweise streuen die Bilder aus dem ebenfalls noch einmal vorangestellten Video sogar bis auf den Schreibtisch des neuen Amtsinhabers. Denn ein historisch bedeutsamer Amtswechsel allein macht aus einer Hinterhofatmosphäre noch keine liebens- und lebenswerte Stadt.

Mit einer „Weiterentwicklung unserer Stadt", die sie "fortsetzen und vorantreiben" wolle (WAZ, 12.12.2019), begründete Sonja Leidemann (SPD) ihre erneute Kandidatur bei der diesjährigen Kommunalwahl. Es wäre ihre vierte Amtsperiode, kommentierte der Autor zu Jahresbeginn, zog Bilanz und machte sich und seinen Lesern keine Hoffnung.

Erstmals an die Rathausspitze gelangte die ehemalige Volkshochschulleiterin 2004, stellte er weiter fest und kam zu dem Schluss: Die Bilder rund um die Fußgängerzone nach 15 Leidemannjahren zeigen, was bisher in "unserer Stadt" entwickelt und vorangetrieben wurde: Leerstand, Verfall, Tristesse.

Welche Impulse und Stimmungen die Wittener Innenstadt bei Besuchern und Kunden auslöst, so der Kommentar vom 5. Januar weiter, können vielleicht Geschäftsschließungen, Kaufkraftabflüsse und Absatzeinbußen des Einzelhandels beantworten. Obwohl eigentlich Herz und Motor jeder Stadt und Maßstab im Wettbewerb mit umliegenden Städten, in Witten verwahrlost und verfault das Zentrum wie Fallobst auf der Winterwiese.

Immer wieder verwundern kann nur, welche Drogen im Rathaus offenbar verteilt und eingeworfen werden, um das reale Stadtbild derart ausblenden zu können, wie die eingestreuten Zitate aus offiziellen städtischen Imagevideos zeigen. Bei einem solchen Realitätsverlust ließe sich eine erneute Kandidatur der dafür Hauptverantwortlichen auch als dreist treffend bezeichnen.

Allgemein seit 75 Jahren als Stadtversteher politisch verantwortlich: durchgehend mehrheitlich SPD-Genossen, mittlerweile willig unterstützt von den Großkoalitionsgehilfen der CDU.

Ein Jahr und 41 Tage dauert das Trauerspiel der 59-jährigen Wittener Bürgermeisterin mit vertauschten Parteifarben schon länger als das Merkeloratorium in Berlin. Ein weiteres Fünf-Jahres-Abo mit Leidemann in der Rampenrolle scheint, anders als in Berlin, nach aktuellem Stand in Witten fast zwangsläufig, auch mit Hilfe der jung Wählenden. Die wissen zwar nicht, was wie in Witten läuft (siehe Video), die kennen als Kunden aber längst den Weg nach Bochum oder Dortmund. Und die öffentlichen Busse und Straßenbahnen pendeln jetzt nach neuen Fahrplänen vorausschauend häufiger. Ganz entgegen einer inoffiziellen Rathausdoktrin: Kein Kunde verlässt das sinkende Stadtzentrum.

Ein weiteres Fünf-Jahres-Abo mit Leidemann in der Rampenrolle ist mit dem Ergebnis der Stichwahl vom September und der heutigen Amtsübernahme des Christdemokraten Lars König Makulatur. Ob sich das absehbar auch von dem derzeit desaströsen Stadtbild sagen lässt, bleibt abzuwarten.

Weitere Texte und Kommentare des Autors auch zu überregionalen Themen hier.

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